Beglänzt von seinem Licht!

– Predigt zu 2.Korinther 4,6

von Michael Schankweiler

„Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervor leuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesus Christi.“

Licht, liebe Gemeinde, hat unterschiedliche Wirkungsweisen: Licht wärmt, Licht macht hell, gebündelt als Laser erzielt es große Kraft z. B. bei Operationen. Licht ist Leben. Lebenslicht. Nach mehr Licht soll Goethe gerufen haben, als das Dunkel des Todes ihn erreichte. Neben vielem, was man über das Licht sagen kann, gibt es eine Wirkkraft, die ganz besonders ist: Die Verwandlung. Ich meine die Fotosynthese. Fotosynthese bedeutet den Aufbau chemischer Verbindungen durch Lichteinwirkung. Das Sonnenlicht bescheint die grünen Blätter und wirkt, daß aus anorganischen Stoffen Organische werden, also Nahrung. Und Nahrung ist Leben, Wachstum, Weiterleben. Licht ist Leben.

So, und nun geht es darum, daß Gottes Licht das kann, verwandeln. Es geht um eine Verwandlung! In unserem Text hat Paulus seine entscheidende Lebenswende versteckt, bzw. sanft angedeutet, was er selbst erfahren hat: Die Verwandlung seines Lebens von einem, der Jesus verfolgte zu einem, der sich in den Dienst der Nachfolge rufen ließ. Wir erinnern uns! Er verfolgte die Jesusjünger und ihre Anhänger. Sein Herz war voll Eifer und Haß gegenüber denen, die Jesus als ihren Messias ansahen, die glaubten er sei das Licht für die Völker. Jedenfalls vor Damaskus tritt ihm dieser Jesus in den Weg. Christus selber, das Licht der Welt (Joh. 8), ändert das Leben des Paulus gewaltig. Er wird Heidenapostel. Paulus macht die wesentlichste Erfahrung seines Lebens. Gott hat ihn verwandelt, aus seinem sauren Herz ein fruchtbares gemacht. Ihn verwandelt zu einem wichtigen Lebensbaustein für die Gemeinde Jesu. Die Klammer, in der Paulus sein jetziges Leben wahrnimmt, ist einerseits der Schöpfer, dessen erste Tat die Erschaffung des Lichtes war und anderseits Jesus von Nazareth, durch dessen Leben. Sterben und Auferstehen, Gottes Wesen kraftvoll und segensreich aufleuchtete. Im Gesicht des Jesus von Nazareth sieht er Gottes Glanz und Herrlichkeit, in dem freundlichen, aber auch ängstlichen, in dem hoffnungsfrohen, aber auch tränenreichen, in dem glücklichen, aber auch zornigen und in dem blutverschmierten Gesicht des Nazareners begegnete ihm Gottes Herrlichkeit, im Haupt voll Blut und Wunden. Wie auch immer. Im Anblick des Gesichts Jesu kam Menschen die Erkenntnis, wie Gott es mit uns Menschen meint: Gut. Und wie ihm daran gelegen ist, daß diese gute Nachricht das Herz, also die Lebensmitte jedes Menschen erreicht. “ Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervor leuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesus Christi.“ Es gibt ein altertümlich anmutendes Wort für Gesicht. Das heißt Antlitz. Was meint das? Es meint das uns „Entgegenblickende!“ und nicht das Äußere wie beim Gesicht, also Augen, Nase und Mund. In dem wie Jesus Menschen entgegenblickte, in diesem Leuchten, erkannten Menschen Gottes Stimmung, Meinung, Freundlichkeit, Barmherzigkeit. „Eines Tages kam einer, der hatte ein Leuchten in seinen Augen.“ Er kam von Gott und verzauberte mit seinem Charme die Menschen. Doch Paulus denkt beim Wort Angesicht/Antlitz noch an mehr! An eine Erzählung aus der Bibel. Es war zu der Zeit, als Mose die 10 Gebote auf dem Berg Sinai von Gott bekam. Und als er vom Berg hinabstieg heißt es:“ da glänzte die Haut seines Angesichts“, weil er mit Gott geredet hatte.(Ex.34) Und er legte zum Schutz für sich und die Israeliten eine Decke auf sein Gesicht. Mose hat nun diese Erzählung aus 2.Mose im Blick, wenn er sagt: Gänzlich unverhüllt leuchtet uns Gottes Glanz und Herrlichkeit entgegen. Oder anders gesagt: Auf die, die Christus anblicken, legt sich ein Glanz, ein warmer Lichtschein erreicht die Herzen. In ihnen macht sich Erkennen breit wie ein Feuer eine dunkle Höhle. Gottes Feuerschein ist nun nicht mehr gefährlich, sondern erträglich.

Jochen Klepper hat es einfach schön so gedichtet: “ Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichts kam euch die Rettung her.“EG16, 4 Nun spürt man regelrecht in unserem Text die innere Freude, mit der Paulus von dieser entscheidenden Glaubenserfahrung berichtet. Es sollte ja eigentlich genügen, aber man fragt sich, warum er auf der einen Seite so voll Engagement, aber anderseits sich auch bremst und im Wir-Stil berichtet? Man vermutet, es gab wohl Kollegen des Paulus, die dem schönen Schein erlegen waren, sie selber seien große Lichter und der Glanz ihrer Gemeindearbeit sei Ergebnis ihrer eigenen Lichtwirkung. Nein, sagt Paulus, so wunderbar es ist, wenn Menschen glänzen, in Glaubensdingen sind wir alle immer nur Abglanz dieses einen Lichts, das Jesus Christus heißt. Es gibt keine Mitwirkung des Menschen. Es gibt nur die Bitte an Gott, er möge verwandeln. Es gibt nur ein sich hinhalten. Einen Vers später wird er sagen: „Wir haben diesen Schatz des Glaubens nur in irdenen Gefäßen. (Was finden Archäologen bei ihren Ausgrabungen als erstes und am meisten?: Scherben von Tellern, Töpfen, Amphoren…) Wir haben nichts, womit wir den Glauben festhalten könnten. Wir sind wie unser Glaube zerbrechlich. Nur Gott allein kann aus uns Gefäße machen, dass ein Stück von seinem Glanz in uns Wohnung hat. Dieser Glanz ist da wie die Sonne, doch uneinnehmbar wie die Sonne selbst. Sobald wir dieses besondere Licht umfangen möchten, wird es dunkel in unseren zum Fangen gefalteten Händen. Es kann nur erbeten werden. Ist nie Besitz, ist nur Geschenk.

„Der Tag nimmt ab, ach schönste Zier, Herr Jesu Christ bleib Du bei, es will nun Abend werden. Laß doch dein Licht auslöschen nicht, allhier bei uns auf Erden.“ EG 473,4 Gebet: Guter Gott, du Licht! Einen hellen Schein rettenden Lichts gabst Du in unsere Welt – Jesus Christus. Gib davon in unser Herz. Und wenn Du willst, wird der Glanz Deiner Herrlichkeit auch unser Leben hell und freundlich machen, aus unserem Leben hervorleuchten, in der Hilfe für Notleidende, im Vorbild für die Kinder. Deinem Licht möchten wir uns entgegenstrecken. Verwandle auch uns und mach uns zu Nährstoffen und Boten des Lebens. Amen


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