Andacht – angedacht

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie muss brennen.“

Johannes 15, 5+6

Weniger Kirchensteuern, weniger Kirchenmitglieder, weniger Gottesdienstbesucher, weniger gesellschaftliche Bedeutung, die Evangelische Kirche jammert. Sie versucht schon seit Jahren dieser Entwicklung entgegen zu steuern, aber scheitert dabei. Sie will das Problem weltlich lösen. Sie hat bei weitem noch nicht begriffen, dass sie es mit einer geistlichen Frage zu tun hat. Nämlich der: Was hat Jesus mit seiner Kirche vor? Vor welche großen Herausforderungen hat er sie gestellt? Was könnten die Früchte einer vollkommenen Neuorientierung sein? Wie sieht die wahre Existenz eines Christen und einer Christin aus, die ganz eng in und mit Jesus leben. Was bedeutet das für den Konsum, das Verhalten und den eigenen Lebensstil?

Die Kirchen im Osten Deutschlands sind schon lange vor uns im Westen mit solchen Fragen konfrontiert gewesen. Christian Führer, Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche berichtet:
„Der Kirche waren in der Deutschen Demokratischen Republik Macht und Privilegien weitgehend genommen. Sie hatte die Freiheit einer sich nur an Jesus orientierten, von staatlichem Wohlwollen unabhängigen Kirche gewonnen. Allerdings ohne die zu wollen und ohne es zu verstehen. Noch im Vorfeld des 17. Juni 1953, als die Kirche vom Staat angegriffen, die jungen Gemeinden als CIA-gesteuerte Agentenzentralen diffamiert und Studentenpfarrer verhaftet wurden, bemühten sich Vertreter der Kirche bei diesem selben Staat um Religionsunterricht an den Schulen und Kirchensteuereinzug durch den Staat! Man konnte sich Kirche ohne die Krücken staatlicher Privilegien einfach nicht vorstellen. Der DDR-Staat wies das Ansinnen der Evangelischen Landeskirchen ab. Eine Reformation neuen Typs nahm ihren Anfang. Da die Kirche selbst nicht mehr die innere Kraft zur Erneuerung hatte, ging Gott einen neuen Weg mit ihr. Von außen, über den atheistischen Staat, schreckte sie Gott aus dem Schlaf der Sicherheit und rüttelte und schüttelte den Weinberg des Herrn durch und durch, dass die faulen Früchte und toten Äste nur so herunter prasselten. Die imposanten Zahlen nahmen rapide ab. Dran und drin blieb in der Kirche nur, wer wirklich mit Jesus verbunden war. Wir mussten neu buchstabieren, was es heißt, wenn Jesus sagt: “Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie solche Reben, die man sammelt und ins Feuer wirft.“

Jammern wir also nicht, sondern richten wir uns auf das aus, was Gott mit uns vorhat, zu unserem Heil und zum Heil der ganzen Welt.

Es grüßt Sie alle von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Schankweiler


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